Der Vatikan rüstet auf: Hochmoderne LED-Beleuchtung in der Sixtinischen Kapelle

Ab November 2014 beleuchtet hochmodernes LED-Licht die weltbekannte Sixtinische Kapelle in Rom. Die Kapelle wird sich den jährlich 4,5 Millionen Besuchern in völlig neuer Farbvielfalt zeigen, denn bisher waren die berühmten Fresken des italienischen Künstlers Michelangelo im Übergangsbereich zwischen Tag- und Nachtsehen in ihrer Farbigkeit schwer zu erkennen.

OSRAM Fachleute entwickelten im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projektes mit verschiedenen Konsortialpartnern – darunter Konservatoren und Experten für Farbqualität und Nachhaltigkeit – ein LED-Beleuchtungskonzept, das die Lichtstärke auf den fünf- bis zehnfachen Wert steigert, die Farben wirklichkeitsgetreuer wiedergibt und sehr gleichmäßig Bereiche der Fresken beleuchtet, die vorher von den Besuchen kaum Beachtung fanden.

LED-Beleuchtungsinstallationen von OSRAM in Sixtinischer Kapelle Das neue LED-Lichtsystem teilt sich in drei getrennte Installationen auf:

1. Die Galeriebeleuchtung, die die Fresken an Wänden und Decke beleuchtet.
2. Die Galabeleuchtung, die bei Konklaven oder Veranstaltungen optional zugeschaltet wird.
3. Die Beleuchtung auf die Freske "The Last Jugdement".

Das Projekt
Die Realisierung eines neuen Lichtsystems in der Sixtinischen Kapelle ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben in der Welt der Beleuchtung. Der Wunsch nach absolut blendfreier Ausleuchtung, die strikten konservatorischen Vorgaben und die immense historische Bedeutung der Kapelle und der weltweit einzigartigen Kunstwerke ergeben zusammen die Notwendigkeit einer technisch äußerst individuellen und hochwertigen Beleuchtungslösung.

Die Ziele

1. Höchstmöglicher konservatorischer Schutz sämtlicher Kunstwerke der Kapelle 
2. Signifikante Erhöhung der Beleuchtungsstärke und gleichmäßige Ausleuchtung ohne Blendung der Besucher 
3. Deutliche Verbesserung der Farbwahrnehmung der Fresken 
4. Signifikante Energieeinsparungen 


Die Realisierung
Farbmetrikexperten untersuchten auf den Renaissancegemälden berührungslos zunächst an 280 Punkten die Farbpigmentierung der Fresken und bestimmten das reflektierte Lichtspektrum. Die Ergebnisse dienten als Maßstab für die spektrale Feinjustierung der LED-Leuchten, um die berühmten Kunstwerke in ihrer Farbpalette bestmöglich zu beleuchten. Die technische Besonderheit: Die spezialangefertigten LED-Leuchten sind in der Lage, vier Farbkanäle rot, grün, blau sowie warmweiß so zu steuern, dass die Fresken dem Besucher auf die Art präsentiert werden, wie sie Michelangelo vor 500 Jahren gesehen hat. In der Sixtinischen Kapelle entschieden sich die Experten des Vatikans und OSRAM zudem für eine Farbtemperatur von 3.500 Kelvin. Ein solch ambitioniertes Feintuning ist derzeit so nur mit der LED-Technik möglich.

Die speziellen LED-Leuchten wurden in rund zehn Meter Höhe auf einem schmalen Sims im Innern der Kapelle versteckt so montiert, dass sie zum Einen für die Besucher unsichtbar sind und anderseits das Gefühl vermitteln, das Licht käme als Tageslicht durch die Fenster. Zudem konnte das Projektteam durch die neue Installation jegliche Art von Blendung zu 100 % vermeiden.

Einzigartige LED-Spezialleuchte
Jeweils 20 LED-Leuchten auf jeder Längsseite der Kapelle wurden als Besucherbeleuchtung auf dem Sims im „Viererpack“ montiert. In deren Innern wurden insgesamt 140 rote, grüne, blaue und weiße Hochleistungs-Leuchtdioden verbaut. Eine raffinierte Anordnung der Reflektoren garantiert eine gleichmäßige und blendfreie Ausleuchtung. Damit die Leuchten auf das schmale Gesims passen, wurde deren ursprüngliche Konstruktion weiter verschlankt. Jede der Leuchten ist etwa 80 Zentimeter breit und inklusive Kühlkörper nur noch rund 100 Millimeter tief.

Zusätzlich wurden LED-Spots installiert. Sie sollen die alte Gala-Beleuchtung ersetzen, die bei Messen, Konzerten und natürlich dem Konklave gebraucht wird. 30 LED-Strahler mit einer Leistung von je 50 Watt werden dazu in Dreiergruppen zwischen Fenstern montiert. Bei Bedarf lassen sie sich motorisch aus Ihrem Versteck auf dem Sims fahren.

Das Ergebnis
Mit einer Farbtemperatur von 3.500 Kelvin, einer Beleuchtungsstärke von 50 bis 100 Lux und einem Farbwiedergabe-Index CRI > 95 werden die Gemälde der Sixtinischen Kapelle nun mit individuell angepasstem und hoch leistungsfähigem LED-Licht illuminiert. Die Helligkeit ist zudem komplett dimmbar. Die immense Farbvielfalt und die 3D-Effekte in der berühmtem Kunst Michelangelos kommen für Besucher nun erstmalig vollständig zur Geltung. Die historischen Wandgemälde werden dabei so gut geschont wie nie zuvor, da das LED-Licht weitaus weniger Schädigung hervorruft, als jede derzeit bekannte Lichtquelle.

Trotz deutlich höherer Beleuchtungsstärken und bestmöglicher Lichtqualität verringerte sich der Energieverbauch und damit die CO2-Emission um mindestens 70%. So sinkt die elektrische Anschlussleistung der Kapelle – addiert man Gala- und Besucherbeleuchtung – von über 66 Kilowatt auf weniger als 6 Kilowatt.

Tags: OSRAM, LED, Vatikan
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